Schande
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Bindung: Gebundene Ausgabe
EAN: 9783596509515
Ausgabe: 2., Aufl.
ISBN: 3596509513
Label: Fischer (Tb.), Frankfurt
Hersteller: Fischer (Tb.), Frankfurt
Anzahl Seiten: 342
Erscheinungsdatum: 2006-09
Herausgeber: Fischer (Tb.), Frankfurt
Studio: Fischer (Tb.), Frankfurt
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Produktbeschreibung:Aus der Amazon.de-Redaktion: David Lurie ist schon in seinem eigenen Leben kein Held, geschweige im dem von jemand anderem. Mit 52 Jahren ist der Protagonist von
Schande am Ende seines beruflichen wie auch seines Liebeslebens angelangt und scheint geradezu absichtlich mit dem Unglück zu flirten. Seit langem Professor für Neuere Philologien am Cape Town University College in Kapstadt, wurde er kürzlich zum Assistenzprofessor für Kommunikation derselben Einrichtung degradiert, die mittlerweile ostentativ in Cape Technical University umbenannt wurde.
Obwohl er seiner neuen Disziplin täglich viele Stunden widmet, findet er deren erste Prämisse, wie sie im "Communications 101"-Handbuch formuliert ist, geradezu absurd: "Die menschliche Gesellschaft hat die Sprache erfunden, damit wir unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Absichten einander mitteilen können." Seiner Ansicht nach -- die er für sich behält -- liegen die Ursprünge der Sprache im Gesang, die Ursprünge des Gesangs wiederum in der Notwendigkeit, die übergroße und ziemlich leere menschliche Seele mit Klang zu erfüllen.
David, der bereits zweimal geschieden ist und dessen äußerliche Anziehungskraft nachläßt, verführt auf ziemlich unbarmherzige Weise eine seiner Studentinnen; sein unschickliches Verhalten wird bald aufgedeckt. In seinem achten Roman wäre J.M. Coetzee vielleicht damit zufrieden gewesen, eine tiefgründige akademische Satire zu schreiben. Aber in
Schande hat er sich weitaus mehr vorgenommen, und seine Kunst ist so kompromißlos wie seine Hauptfigur -- allerdings auch unendlich komplexer. Nicht bereit, das Spiel der öffentliche Reue mitzumachen, läßt sich David schließlich feuern -- eine letzte Geste der Verachtung. Nun, denkt er, kann er sich hinsetzen und etwas über Byrons letzte Lebensjahre schreiben -- keine leere, ungelesene Kritik, "Prosa als Meterware" sozusagen, sondern ein Libretto. Zu diesem Zweck reist er in die Ost-Kap-Provinz zur Farm seiner Tochter. Lucy, die Mitte Zwanzig ist, kehrte dem Schick der Stadt den Rücken und lebt nun auf fünf Hektar Land vom Blumen- und Gemüseanbau und einem Hundeasyl. "Nichts könnte einfacher sein", denkt David. In Wirklichkeit könnte nichts schwieriger sein -- oder, jetzt im neuen Südafrika, gefährlicher. Weit davon entfernt, die Zuflucht zu sein, die er gesucht hat, ist in Salem kaum etwas sicher. Gerade als sich David in seine vorübergehende Rolle als Landarbeiter und wenig begeisterter Freiwilliger im Tierheim eingelebt hat, werden er und Lucy von drei schwarzen Männern überfallen. Unfähig, seine Tochter zu beschützen, ist Davids Schande nun komplett. Ihre ist allerdings weitaus größer.
Es gibt in Coetzees schmerzlichem Roman viel mehr zu erkunden, und wenig davon ist tröstlich. Es wäre zu einfach, seinen Titel aufzugreifen und
Schande als eine komplizierte Aufarbeitung persönlicher und politischer Schande und Verantwortung zu betrachten. Aber das Anliegen des Autors ist die Geschichte seines Landes, die Brutalitäten und der Verrat. Coetzee setzt sich auch mit der Frage auseinander, wieviel Seele und wieviele Rechte wir Tieren zugestehen. Nach dem Überfall nimmt David seine Rolle im Hundeasyl viel ernster und findet schließlich eine Art Zuhause und ein gewisses Maß an Liebe. In Coetzees
The Lives of Animals, vor kurzem in der Schriftenreihe der Princeton University erschienen, erzählt eine alternde Romanschriftstellerin ihren Zuhörern, daß die Frage, die alle Labor- und Zootiere beschäftigt, lautet: "Wo ist mein Zuhause, und wie komme ich dorthin?" Obwohl er im Vergleich zu den ungewollten Tieren, die in seiner Obhut sind, geradezu allmächtig ist, ist David letztendlich genauso gefangen und genauso verloren wie sie.
Schande ist geradezu gewollt einfach. Und doch besitzt es seine ganz eigene magere,herzzerreißende Lyrik, vor allem in den Beschreibungen der ungewollten Tiere. Am Anfang der Geschichte erklärt David seiner Studentin, daß Lyrik den Leser entweder sofort anspricht -- "eine plötzliche Offenbarung und eine plötzliche Reaktion" -- oder überhaupt nicht. Coetzees Buch spricht da anders; seine Schichten und Traurigkeiten wickeln sich endlos ab.
--Kerry Fried
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Das Faszinierende an diesem Buch ist die komplette Umsetzung von hintergründigen Gedanken und politisch-brisanter Situationsschilderung in Handlung und Charakterisierung von Personen. Da gibt es kein überflüssiges Räsonieren. So ein Buch - das man am besten in einem Zuge liest - und so ein Schriftsteller hat tatsächlich den Nobelpreis verdient!
Ein weißer Schriftgelehrter, dessen Ehen gescheitert sind und dessen einziges Kind irgendwo in der Provinz lebt, bemüht sich um eine Studentin.
Als ich um 1965 Student war, gab es einige Professoren und Assistenten, die Verhältnisse mit Studentinnen hatten. Manche endeten in glücklichen Ehen, manche auch nicht, aber keiner fand damals etwas Besonderes daran. Heute kann das, was das Normalste unter erwachsenen Menschen ist, nicht nur in Südafrika rasch als Nötigung gedeutet werden und, wie im Buch hier, zur Entlassung des Mannes führen. Als formaler Anlaß dient eine falsche Anwesenheits-Eintragung für die ...
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Ein alternder Literaturprofessor, der ein Sex-Problem hat und auch noch Schreiben reflektiert, gehört zu einem Thema, das mich eigentlich überhaupt nicht interessiert. All die Walsers, Irvings und wie sie sonst noch heißen, versuchen nach Abschluss ihre sexuellen Attraktivität offenbar noch einmal eine Zeit zurück zu holen, die ihnen der Körper einfach nicht mehr zugesteht. Entsprechend wird die - auch "verirrte" - Sexualität glorifiziert und ein Jugendkult errichtet, den die Herren Autoren in der Werbung und Mode belächeln, selbst jedoch mit anderen Methoden perpetuieren.
Anders jedoch Coetzee in "Schande". Der Südafrikaner schreibt so schonungslos ehrlich, kann das Thema so sehr ausdifferenzieren, dass die Lektüre auch für eine jüngere Frau aus einem ganz anderen Kulturkreis zu einem hohen Genuss wird. Mit das Beste, was Literatur leisten kann, schafft der Autor: Eine Anteilnahme und tiefe Bewegung über das Schicksal einer erfundenen Figur.
Den einen Stern weniger ...
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David Lurie, Literaturprofessor, Schwerenöter und Opernkomponist zieht nach der Affäre mit einer Schülerin einen Schlussstrich und zieht zu seiner Tochter.
Selbstfindung im Südafrika von heute.
J.M.Coetzee beschreibt ein Land voller Hoffnung und beschreibt es mit Hilfe von Hoffnungslosigkeit. Fast alle Protagonisten sind getrieben von den Umständen, verloren in der Landschaft, gefangen...
Die Geschichte wäre schnell erzählt aber es braucht wohl einen Meister um es so zu tun.
Hunde..., "wollen" nicht ewig leben.
Südafrika allerdings schon und David Lurie scheinbar erst recht.
Ein Meisterwerk...JA...
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Ich möchte mich hier nur einreihen in die Zahl der begeisterten Leser und kurz zum Ausdruck bringen, daß dieses Buch wirklich "sehr wertvoll" ist und zum Nachdenken anregt. Es ragt aus dem Einheitsbrei der üblichen Veröffentlichungen meilenweit heraus und dokumentiert nachhaltig, warum Coetzee den Nobelpreis für Literatur mit Recht erhalten hat. Absolut empfehlenswert.
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Geradlinig und präzise beschreibt Coetzee die Selbstgerechtigkeit und den Nidergang in die Schande praktisch sämtlicher Hauptfiguren. In einem zerrissenen Südafrika lebt dieser, sich auch mit über 50 noch äüsserst begehrenswert findender, Professor Lurie in Kapstadt. Man weiss bis zum Ende des Buches nicht so genau, ob man ihn nun bemitleiden, verabscheuen, hassen oder lieben soll. Auch die anderen Charaktere bleiben irgendwo fremd und doch auch so nah. Nur, eines lässt dieses Buch irgendwie nur schwer zu: Eine ethisch-moralische Verurteilung der Menschen und des Landes. Es bleibt die Ratlosigkeit und das Hoffen, nie selber in solche Situationen zu geraten...