Stille in Montparnasse: Ein Romanbericht
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Bindung: Gebundene Ausgabe
EAN: 9783855359813
Ausgabe: 1
ISBN: 3855359814
Label: Atrium-Verlag, Hamburg
Hersteller: Atrium-Verlag, Hamburg
Anzahl Seiten: 141
Erscheinungsdatum: 2007-02
Herausgeber: Atrium-Verlag, Hamburg
Studio: Atrium-Verlag, Hamburg
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Durchschnittliche Bewertung:

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Ein Mann geht durch Paris, oder er sitzt nach einem Konzert in einer Brasserie mit seinem Freund Markus Berger und sinnt unverschämt elitär darüber nach, welche Kunst - insbesondere welche Musik - gut und welche schlecht ist. Er nutzt die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen die moderne Massenkultur.
Das wars dann auch schon an Handlung: bissige Ironie oder hasserfülltes Wüten allerorten und stets eine einhellige Meinung zwischen Markus Berger und dem Ich-Erzähler, meistens "gleichzeitig" und "aus einem Mund", als wäre Berger nur die Abspaltung des Autors.
Dass es sich bei der "Stille in Montparnasse" nicht um einen Roman, sondern nur um einen "romanhaften Bericht" oder einen "Romanbericht" handelt, darauf bereitet der Autor fairerweise vor (und erwähnt es enervierend oft). Und doch kommt man nicht umhin zu bemängeln, dass der Text nicht einmal das ist, dass er nicht mehr ist als eine aufgeplusterte Kurzgeschichte, und selbst diese ohne rechten Inhalt; ein Text, ...
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Das Buch ist gut geschrieben, die Sprache lädt zum Lesen ein.
Was man liest, ist zum großen Teil witzig und interessant. Lobeshymnen auf Hermann Prey über viele Seiten; aber auch seitenweise rohe Beschimpfung von Walkmännern und Hintergrundmusik und fast allen Zeitgenossen, die nicht ganz genau so distinguiert und geschmackssicher sind wie der Autor (naja, da ist wohl schon auch Ironie mit im Spiel).
Ich habe das Buch auch wegen dieser Ausfälligkeiten und wegen der unverhohlenen Arroganz, die es ausstrahlt, gerne gelesen. Das ist doch mal was anderes. Freilich: manchmal ballt sich die Faust in der Tasche. Aber man muss sich das vorstellen: da landet jemand mit dem geistigen Hintergrund des neunzehnten Jahrhunderts mitten in unserer Zeit. Das muss ja weh tun.
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Wenn ich auch den Musikgeschmack des Autors weithin teile -- außer seine Schnulzen-Macke: fünfziger-Jahre-Schmalz von Heino Gaze und Fritz Schulz-Reichel -- und auch bei seinem Abscheu vor "modernem" Lärm mitleide, so geht mir seine literarische (?) Macke des ständig wiederholten "sagte ich zu meinem Freund Markus Berger in der Brasserie L'Orfeo" ganz schön auf die Nerven. So ab Seite 80 (von etwa 140 Seiten) hatte ich die Nase voll von dem ständig wiederholten Quatsch mit "meinem Freund Markus Berger", und die restlichen etwa 60 Seiten hab ich dann nur noch widerwillig gelesen; dass der "Freund Markus Berger" dann irgendwann nicht mehr im L'Orfeo sondern in einem Restaurant am Time Square auftaucht, rettete da nix mehr.
Vieles ist schön und richtig und nett - und manchmal sogar deutlich - gesagt, vor allem über moderne Musik und Kunst. Nur, wie soll man einem mit vollem Herzen gegen die von ihm andauernd angeprangerte "Diskothekenmusik" glauben oder mitleiden oder zustimmen, ...
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In dem schmalen Buch von nur 140 Seiten schreibt ein Professor für Kulturwissenschaften aus Paris, einen grimmigen Zornesbericht und eine ebenso leidenschaftliche Liebeserklärung. Missmutig nimmt er den alltäglichen Krach, die allseits nervende Geräuschkulisse um uns herum zur Kenntnis und hält ein fanatisches Plädoyer für stille und damit bessere Musik.
Auf seinen Wanderungen durch Montparnasse begegnen diesem, Musik liebenden Menschen, begeisterten Liebhaber klassischer Musik und ständigen Konzertbesucher, laufend Menschen mit Rollschuhen und Stöpseln im Ohr, Jogger mit Billigkopfhörern, die sich von abscheulicher Musik berauschen lassen. Und egal wo hin er kommt, überall hört er neben täglichem Lärm unterschiedlichster Art, Hintergrundmusik in Kaufhäuser, Supermärkte, Flughäfen, Restaurants, Autos, usw. Seine Gedanken gehen da wehmütig an seinen Schweizer Freund Markus Berger, einem Pianisten, der den großen Schmerz um den Verlust kultureller Schätze ...
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Dieser kleine Roman ist schlicht genial! Er handelt nicht nur von Musik, wie Elke Heidenreich in ihrer begeisterten Empfehlung anmerkte, er IST Musik. Allein schon das Einführungskapitel: zunächst das berühmte Nietzsche-Zitat "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum", gefolgt von einem einzigen Satz über acht Seiten, der fulminanten Ouvertüre wie aus einer Wagner-Oper. Das Motiv, das sich durch das ganz Buch durchziehen wird, wird intoniert - ein aberwitziges Drängen im Taumel zwischen amokartiger Verzweiflung und himmelhoch jauchzender Glückseligkeit, bei der die Worte und Wortschöpfungen (in phantastisch-akrobatischer Übersetzung) schwirren und fegen wie die Klänge einer Penderecki-Sinfonie - und plötzlich: Ruhe, Stille, nichts... endlich die herbeigesehnte Erlösung aus dem unerträglichen Weltenkrawall.
Aber nein, bitte nicht zu ernst nehmen. Ariel Denis ist ein Meister des Augenzwinkerns, ein scharfsinniger Schelm mit einer gesunden Portion Anarchismus. So gerät er ...
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