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Expeditionsbericht Skibesteigung Muztagh Ata (Mustagh Ata)

Expeditionsbericht von Jörg Geiselhardt (www.geiselhart-online.de)
Muztagh Ata Der Muztagh Ata (Mustagh Ata 7546m), ein Riesenklotz - umgeben von einem wüstenartigen Vorland, mit Blick auf die Berge des Pamir, Hindukush und des Karakorum - liegt unweit der Grenzen zu Pakistan, Tadschikistan und Kirgistan. Er gilt als der ideale Gipfel für den Einstieg ins Höhenbergsteigen und läßt sich auch mit Ski besteigen. Und genau diese Tatsachen machen den Gipfel so reizvoll.
So fällt die Entscheidung für diese Expedition trotz der großen Gipfelhöhe und den zu erwartenden Schwierigkeiten und Risiken relativ schnell. Die 9-tägige Anreise zum Basislager des Muztagh Ata verspricht ebenso ein Abenteuer für sich zu werden: von Islamabad / Pakistan aus, soll es auf der Seiden-Strasse - dem sog. Karakorum-Highway - über den 4700m hohen Khunjerab-Pass nach West-China gehen.

Und so startet am 09.07.2003 ein deutsch-österreichisch-italienisches Team bestehend aus 10 Teilnehmern und einem Bergführer von München aus in Richtung Pakistan.
Nach einem Zwischenstopp in Dubai und einem Tag Aufenthalt in Islamabad, beginnt die tagelange Busreise entlang des Indus Flusses. Auf der Fahrt über Gilgit, Karimabad nach Tashkurgan in China müssen wir des öfteren Steinschlag und weggespülten Strassenabschnitten ausweichen. Dagegen sind die SARS und Zoll Kontrollen der Chinesen ein Kinderspiel. Am 9. Tag "tauschen" wir den Bus gegen unsere Füße, das schwere Gepäck inkl. der Ski wird auf Kamele verteilt und der 4 stündige Aufstieg ins Basislager auf 4500m beginnt.
Die folgenden Tage verbringen wir mit immer ausgedehnteren Anstiegen in Richtung Lager 1, bei denen soviel Ausrüstung als möglich nach oben gebracht wird. Dabei können wir ab 5200m auf unsere Tourenski wechseln. Schließlich wird Lager 1 auf 5500m errichtet. Hier müssen wir auf unseren chinesischen Koch verzichten (er bleibt natürlich im Basislager), Wasser muss jetzt aus Schnee geschmolzen werden.
Unterbrochen von einigen Regenerationstagen im Basislager, kann ich mit 4 anderen Teammitgliedern und unserem Bergführer nach weiteren 6 Tagen Lager 2 in 6400m Höhe in einem Schneehang errichten. Der folgende Tag soll nun "unser" Gipfeltag werden.

Nach einer Nacht ohne Schlaf und ohne ausreichend Flüssigkeit zum Trinken, beginnen wir um 7.30h den langen und mühsamen Aufstieg in Richtung Gipfel. Das Wetter ist schön aber kalt und sehr windig, der Schnee windverblasen und eisenhart, von Pulverschnee keine Spur. Unsere 3 Senioren aus dem Allgäu (Alter 58-68 Jahre) müssen den langen und anstrengenden Anstiegen sowie der schlaflosen Nacht Tribut zollen: 300Hm unter dem Gipfel geben sie leider auf.
Der endlos erscheinende Gipfelhang scheint kein Ende zu nehmen. Mit jedem Schritt wird über Sinn und Unsinn einer solchen Besteigung nachgedacht ("Wozu latscht man stundenlang einen Hang nach oben, welcher nie enden will?") - Umkehren wäre so einfach gewesen...
Doch nach 1100 Höhenmetern und 7 Stunden legt auch dieser Hang sich zurück und geht in ein Fussballfeld-grosses Gipfelplateau über. Das Aufstiegstempo ist jetzt merklich langsamer: 20m gehen, stehen bleiben, kurz verschnaufen und wieder 20m weiter gehen - ein endloser Ablauf.

Am Gipfel:
kaum Freude oder Emotionen über das Erreichte, nur die Gewißheit, dass die Schinderei jetzt vorbei ist und es jetzt nicht mehr weiter nach oben geht. Außerdem ist es saukalt und sehr windig, sodass sich der Gipfelaufenthalt nur auf ein paar wenige Minuten beschränkt. Zudem habe ich immer wieder kalte Fingerkuppen und keine Lust auf Erfrierungen. Also schnell noch zwei, drei Fotos gemacht (die Aussicht hält sich durch das Plateau eh in Grenzen), die Aufstiegsfelle von den Ski gezogen und nach keinen 10 Minuten am Gipfel beginnt die Skiabfahrt.

Skiabfahrt:
Zu mehr als Pflugbogen reicht die Kraft nicht. Nach drei bis vier "Schwüngen" muß ausgeruht werden, jetzt bekommt man die Höhe voll zu spüren (ca. 1/3 des Sauerstoffs im Vergleich zur Meereshöhe).
Doch irgendwann ist auch Lager 2 wieder erreicht. Schnell noch die restlichen Sachen wie Schlafsack und Isomatte in den Rucksack gepackt und schon geht?s mühevoll im Pflug über von Sonne und Wasser zerfurchtete Hänge und durch Gletscherbrüche und Serac-Zonen zum Lager 1.
Da es "erst" 17.45h ist, beschließe ich, gleich weiter bis zum Basislager abzusteigen. Über Funk ordere ich schon mal bei Stefan (der gestern bereits vom Gipfel bis ins Basislager abgestiegen ist) Bier und Essen. Zu Zweit laden wir noch unsere Sachen von Lager 1 in den Rucksack und ab geht?s hinunter ins Basislager. Zuerst mit Ski, dann 600Hm zu Fuß. Um 19.30h kommt uns schon Stefan und John (unser "Begleitoffizier" der chinesischen Agentur) mit Bier im Basislager entgegen - aahhh, das schmeckt gut....
Fünf Tage später (die anderen hatten keinen weiteren Gipfelversuch unternommen und die Lager sind wieder abgebaut) geht?s wieder hinunter ins "Flachland". Mit dem Bus fahren wir noch weiter nach Norden zu einem 2-tägigen Besuch von Kashgar, einem der größten "Marktplätze" entlang der Seidenstrasse.
In drei Tagen fahren und fliegen wir vorbei am Nanga Parbat (8125m) wieder über den Kunjerab-Pass und Gilgit bis nach Islamabad. Von dort der Weiterflug über Dubai zurück nach München.
Was bleibt nun von 4 Wochen Urlaub in den Bergen? Eine abenteuerliche Reise in zwei faszinierende und fremde Länder, eine Skitour auf den 49. höchsten Berg der Welt und den Respekt vor Leuten wie Reinhold Messner und Hans Kammerlander, die über Jahre hinweg herausragende Leistungen in über 8000m Höhe vollbrachten und immer noch vollbringen. Erst nach so einer Tour läßt sich ein wenig nachempfinden, wie es tatsächlich an den höchsten Bergen der Welt zugeht.
Weiter Infos über die Tour gibt es unter www.geiselhart-online.de und www.amical.de.


Informationen zur Tour:
Ort: China
Jahreszeit: Juli/August
Dauer: ca. 28 Tage
Kosten: ca. Euro 4000,-
Veranstalter: Amical Alpin,
DAV Summitclub
Bergschule Vips
Bergschule Vips Rainer Taglinger

Art: als Skitour (sehr empfehlenswert) oder zu Fuß mit/ohne Schneeschuhe
Charakter: Anreise: über den Karakorum Highway von Pakistan nach China (landschaftlich äußerst reizvoll) wie bei Amical Alpin oder über Kirgistan (etwas kürzer) wie beim DAV Summitclub
Am Berg: technisch leicht, aber wegen der großen Höhe und den u.U. sehr kalten und windigen Wetterbedingungen nicht zu unterschätzen Eine sehr gute Akklimatisation ist für einen Erfolg entscheidend
Formalitäten: Visumspflicht für Pakistan und China
Author und weitere Informationen und Bilder zur Tour: Jörg Geiselhart, www.geiselhart-online.de




Literaturübersicht Führer, Expeditionsberichte und Bildbände: Berge weltweit:

Alpen: (Bayern: Zugspitze, Watzmann, Österreich: Ötztal, , Schweiz, Italien, Frankreich),
Europa,
Nepal (Mt Everest, Annapurna, Manaslu, Makalu, Daulaghiri, Kangschönzenga, Ama Dablam ...)
Pakistan (K2, Nanga Parbat, Gasherbum, Ogre, )
Australien/Neuseeland,
Nordamerika
Südamerika

Komplettes Verlagsprogramm:

Bergverlag Rother, BLV Verlag, Bruckmann Verlag, Panico Alpinverlag, Deutscher Alpenverein, Verlagsprogramm Bergliteratur Pietsch VerlagPietsch Verlag,

Sollte jemand weitere Vorschläge für diese Literaturliste haben, bitte einfach eine email an: webmaster (at) expeditionsbergsteigen. com



Links, Bücher und Informationen
Landkarten Karten: The Karakorum Highway, 1:1000000, von John Callanan
Kongur Tagh-Muztag Ata, 1:100000, ISBN 7-80545-148-6/K148
Trekkingführer Karakoram Highway von John King, Bradley Mayhew
Trekking in the Karakoram und Hindukush von John Mock, Kimberly O'Neil
Trekking in Karakoram & Hindukush von John Mock, Kimberley O'Neil
Bildbände

Partnerseiten der Woche: Trekking Channel, die Trekking Community und Mountainbike Channel, die Mountainbike Community

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