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expeditionsbergsteigen.com - Buchbesprechung/Rezension: Senkrechte Horizonte - Die Kletterabenteuer der Huberbuam
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Senkrechte Horizonte - Die Kletterabenteuer der HuberbuamSenkrechte Horizonte - Die Kletterabenteuer der Huberbuam
Melanie Schönthier und Stephan Bernhard

Nach The Wall und Yosemitee ist Senkrechte Horizonte das dritte Buch über die Huberbuam aus Berchtesgaden. Während bei The Wall und Yosemite Alexander Huber und Thomas Huber noch selbst als Autoren tätig waren, stammen die Texte in Senkrechte Horizonte von Melanie Schönthier und Stephan Bernhard, die Bilder lieferte wie immer Heinz Zack als der Hausfotograf der Huberbuam.
Nun wer die Multimediavorträge 'Grenzenlos' von Thomas Huber und 'Senkrechte Horizonte' und 'Opera vertical' von Alexander Huber kennt, der ahnt bereits was ihn in dem neuen Buch erwartet: Bilder die selbst dem kühnsten und moralisch stabilsten Kletterer und Bergsteiger den Atem stocken lassen. Das Buch verzaubert den Betrachter, wie auch die Vorträge der Huber-Brüder die Zuschauer. Die Bergsteigerwelt wird das Buch anfangs nicht lesen, denn Melanie Schönthier und Stephan Bernhard können noch so interessant schreiben, die Bilder von Heinz Zack sprechen eine eigene Sprache die jeden Interessierten erstmal zum Betrachter werden lassen und ihn diese Bilder sind es die beim betrachten feuchte Hände erzeugen.

Da hängt Alexander in der ersten "free solo"-Begehung (ohne Sicherung!!!) der extrem schweren Hasse-Brandler-Diretissima an der Großen Zinne (Schwierigkeitsgrad VIII+, 18 Seillängen, 3 im VIII. Grad, fünf im VII. und drei im VI. Grad) seilfrei in über 100m höhe freihängend mit einer Hand an einem Griff, der für viele Bergsteiger im Seil bereits ein unüberwindbares Hindernist darstellen würde, wie auch die gesamte Route an sich. "Ich weiss, dass ich es kann..." sein Komentar und er schaffte es.


Alexander Huber Free Solo in der Schlüsselstelle der Hasse Brandler Diretissima, darunter 300m Abgrund
Buch Seite 11
Foto: (c) Heinz Zak - www.heinzzak.com

Ein Jahr zuvor kletterte er die 'Bellavista', die erste alpine 11er. Begehung in freier Kletterei (Rotpunkt) ohne künstliche Hilfsmittel in der Nordwand der drei Zinnen. Der 11. Schwierigkeitsgrad wird weltweit lediglich von einer kleinen Gruppe Extremkletterer bewältigt. Dieser elitäre Kreis kletterte aber bisher ausschließlich in Klettergärten, also Kletterfelsen mit maximaler Höhe von 30 Metern. Alexander hat den 11. Schwierigkeitsgrad ins alpine Klettern übertragen, und Bellavista ist mit XI- / 8c die wohl anspruchsvollste und schwierigste alpine Felskletterei weltweit. Sie ist bisher noch keinem zweiten Bergsteiger geglückt! Das alles war Alexander nicht genug, in seinem Lieblingsrevier am Schleierwasserfall im Wilden Kaiser, kletterte er 2004 'Kommunist' free solo, eine Klettertour mit X+/8b+ bewertet. Er meinte nur, dass bisher noch Luft drin war und deshalb hat es ihm keine Ruhe gelassen bis er es sich bewiesen hat!
Aber es ist nicht nur Alexander, sondern das Buch beschreibt die Huberbuam und das Brüderpaar ist eine der stärksten Seilschaften die es weltweit gibt. Die beiden haben anfang den 90er ja den 11. Schierigkeitgrad eröffnet und zahlreiche Erstbegehungen in dieser Schwierigkeit begangen, viele davon sind bis heute noch kein zweites Mal begangen worden. Aber das war den beiden nicht genug, denn sie begründen ihre extreme Bergsteigerei immer damit, dass man erst auf dem Gipfel den Blick frei hat auf neue Ziele: Und sie fanden eins in der Westwand des Latok II im Himalaya, Nepal. Es ging ihnen nie um die großen und berühmten Berge wie Mnt. Everest oder K2. Die Huberbrüder fokusieren ihren Blick auf das bis dahin unmögliche und verschieben stets die Grenzen. Diesmal gelang ihnen zusammen mit Conrad Anker und Toni Gutsch das Meisterstück, das Bigwall-Klettern in die großen Höhen des Himalaya zu übertragen. Noch nie wurde in einer solchen Höhe eine derart schwierige Route begangen. Es begannen zahlreiche Expeditionen die sie zusammen oder auch einzeln durchführten, Cho Oyu, Shivling, Ogre, aber auch Cerro Torre und Fitz Roy in Patagonien. Während Thomas mit der erfolgreichen Ogre-Begehung 2001 einen weiteren Meilenstein in der alpinen Geschichte setzte, orientierte sich Alexander nach dem erfolglosen ersten VErsuch am Ogre 200 und seinem krankheitsbedingten Ausfall am Shivling wieder dem extremen Felsklettern zu.


Alexander Huber am Taft Point Yosemite Valley Kalifornien, im Hintergrund die 1000m hohe Wandflucht des El Capitan
Buch Seite 12-13
Foto: (c) Heinz Zak - www.heinzzak.com

Wie sollte es anderst kommen, die Huberbuam hatten mit Weitblick ein neues Ziel fokusiert. Es waren die großen Wände des Yosemitee Nationalparks in Californien. Während ihmen hier bereits mit ersten freien Begehungen von Salathé (X/8a+), Free Rider (9/7c), El Niño und Golden Gate große Ehren zu teil wurden, hatten die Beiden neue Ziele: mit Zodiac gelang ihnen am El Capitan die erste freie Begehung einer X+ Route. Diese Routen wurden bis dato technisch geklettert, das bedeutet dass sich die Bergsteiger mit Hilfe von in Haken eingehänkte Schlingen und Leitern gen Himmel stemmen. Solche Techno-Routen mit Wandhöhen von 600m benötigen teilweise bis zu 7 Tage. In dieser Zeit schlafen die Begeher in Wandzelten und ziehen in großen Säcken Material und Verpflegung hinter sich her. Nun die beiden haben einige Wochen alle einzelnen Kletterzüge in der Wand trainiert und scheiterten im Frühjahr noch an den zu heiße Temperaturen. Doch ihr Blick konnten sie nicht von der Zodiac abwenden und sie kehrten im etwas kühleren Herbst zurück und vom 7. bis 9. Oktober kletterten sie schließlich in einer durchgehenden Begehung die gesamte Zodiac rotpunkt. Die Huber-Brüder wären nicht die Huberbuam, wenn sich ihnen nicht sofort neue Horizonte erschlossen hätten, denn sie merkten dass noch nicht alles war. Es ist noch viel Luft drin und sie versuchten sich an etwas ganz neuem: Speed-Klettern: Geschwindigkeitsrausch vertikal.
Speed-Klettern bedeutet, dass versucht wird eine Route möglichst schnell zu begehen und die Beiden versuchten sich gleich an der Zodiac, denn sie kannten diese Route wie keine zweite Seilschaft. Der Speedrekord an der Zodiac lag bei über sech Stunden, das war bevor die Huber-Brüder kamen: Im ersten Versuch unterboten sie den Rekord mit 4 Stunden und 7 Minuten deutlich und es ging ein Ruck durch die US-Kletterszene, denn Speed-Klettern ist dort eine wirklich wichtige Disziplin. Alexander zeigt bei Opera vertical ein Bild des damaligen Rekordhalter, der in Anbetracht der vorgelegten Zeit nur noch genommen dreinschauen konnte und er wußte oder ahnte bereits was da noch kommen sollte. Zweiter Versuch: 3 Stunden 8 Minuten, dritter Versuch: 2 Stunden 31 Minuten. Es kursierten damals Bilder dieser Begehung durch die Medien, eins davon zeigte einen Bergsteiger der mit seinem Seilpartner schon Tage dabei war die Zodiac technisch zu durchsteigen und in der Wand bivakierte. Alexander kommentierte das Bild nur damit, dass er diesem zurief, don't move, I'm on speed und überkletterte diesen einfach in wenigen Sekunden. Mir tat der arme Knecht damals so Leid, denn der verstand die Welt nicht mehr und muss sich nur gedacht haben, der Typ (Alexander) ist wirklich 'on spee', also auf Drogen... Aber nicht genug, denn Alexander meinte, dass Bild entstand beim 1. Versuch. Nach einem Tag Pause planten Alexander und Thomas den nächsten Versuch und Thomas enteckte mit dem Fernglas die Seilschaft die bereits Tage in der Route verbrachten ca. 50m unterhalb des Ausstiegs. Letztlich benötigte die besagte Seilschaft noch 3 Stunden 10 Minuten für die letzten 50m, die Huberbuam 3 Stunden 8 Minuten und ich glaube der Typ auf den besagten Foto hat nach dem Erlebnis das klettern aufgehört...

Nun das Buch ist mehr als eine Biographie zweier großartiger Bergsteiger, mehr als ein Bildband über extreme Besteigungen und brenzlige Situationen. Es ist Leidenschaft pur.

Und für alle die vom Bergsteigen bisher keine Ahnung haben und die Schierigkeitsbewertungen und Namen nichts sagen, für alle die ist es ein Buch über zwei Athleten die Weltmeister und Olympiasieger im Marathon und 100 Lauf sind!!!

ISBN: 3613504855, 144 Seiten, erschienen im September 2005 im Pietsch Verlag

Melanie Schönthier ist hauptberuflich als Journalistin tätig und begeisterte Kletterin und Bergsteigerin.

Stephan Bernhard hat sich als Journalist auf Geschichten rund um Trendsportarten spezialisiert.

Heinz Zak: Heinz Zak, geboren 1958 in Wörgl, lebt als Kletterer und freiberuflicher Fotograf in Scharnitz, Tirol. Mit 15 Jahren begann er zu klettern, bereiste die bedeutendsten Sportklettergebiete der Welt und zählt heute zu den bekanntesten Freikletterern Österreichs Seine Fähigkeiten als Fotograf bewies er 1987 mit seinem preisgekrönten Buch "high life".



The Wall

von: Alexander Huber, Thomas Huber

Yosemite

von: Alexander Huber, Heinz Zak

Senkrechte HorizonteSenkrechte Horizonte

von: Melanie Schönthier, Stephan Bernhard, Heinz Zak


Alle aktuellen Termin von Thomas und Alexander Huber gibts hier: Termine auf Huberbuam.de

Wer mehr Bilder sucht: Huberbuam.de


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