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Die richtige Pflege für alle Felle -
Benutzungs- und Bedienungsanleitung Steigfelle / Haftfelle / Felle / Skitourenfelle


DAS PRINZIP - Jede Skitour beginnt mit dem Material. Neben Tourenski, Teleskopstöcke, Lawinenschaufel, Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS oder Pieps genannt) geht ohne die Steigfelle überhaupt nichts. Sie erst ermöglichen dem Skitourengeher im Schnee aufzusteigen. Das Prinzip ist einfach und aus der Natur kopiert. Das Fell hat einen Strich, also eine Richtung in der die Haare liegen. So läßt sich das Fell in einer Richtung leicht über den Schnee ziehen, während die Haare in der entgegengesetzten Richtung im Schnee greifen und ein Rutschen oder Gleiten nicht zulassen.

MATERIAL - Skitourensteigfelle gibt es in grundsätzlich drei verschiedenen Materialausführungen: Bei Synthetikfellen bestehen die Haare aus Kunstfasern, bei Moohair-Fellen werden die Haare einer speziellen Gattung der Bergziege verwendet und als letzte Variante gibt es Mischfelle, die einen Materialmix meist aus 70/30% Mohair-Synthetik verwenden. Synthetikfelle sind in der Regel günstiger und langlebig als Mohair-Felle. Sie haben durch die Kunstfasern sehr gute Hafteigenschaften beim Aufsteigen, allerdings gleiten Mohair-Felle wesentlich besser als Synthetikfelle. Synthetikfelle werden vom Hersteller imprägniert, so daß sich der Schnee nicht mit dem Fell verbindet und es zum sogenannten Aufstollen kommt. Dabei bilden sich teils große Mengen gepresster Schnee unter dem Tourenski und dies verhindert ein Gleiten über den Schnee. Die Mohair-Felle sind durch die speziellen Haare bereits sehr gut gegen Wasser und Schnee imprägniert, doch auch hier kann es nach entsprechendem Gebrauch dazu führen, daß auch hier Schnee aufstollt. Beide Fellarten können nachträglich wieder imprägniert werden. Auf Tour eignet sich dazu einfach ein Stück Skiwachs, welches mehrfach in des Fell eingerieben werden kann und das Aufstollen verhindert. Notfalls kann auch fettende Sonnencreme dazu verwendet werden. Diese schadet dem Fell in der Regel nicht und verhindert ebenfalls das lästige aufstollen.
--> Siehe PFLEGE UND LAGERUNG

WELCHES FELL FÜR WELCHEN SKI - Neben dem Material der Haare unterscheiden sich Steigfelle noch ganz wesentlich in ihrer Form, Anpaßbarkeit und Verbindung/Befestigung auf dem Ski. In der Vergangenheit hat man Steigfelle in Haftfelle und Spannfelle unterschieden. Haftfelle werden einfach auf den Belag der Tourenski aufgeklebt und an den Skienden befestigt. Spannfelle wurden lediglich an den Skienden unter Eigenspannung eingehänt und durch Klammern seitlich fixiert. Die klassischen Spannfelle sind komplett vom Markt verschwunden, da sie erhebliche Nachteile aufwiesen: Die seitliche Fixierung hielt oftmals nicht und es bestand die Gefahr dass das Fell sich vom Ski löste oder aber einfach keinen Halt bot. Moderne Steigfelle sind ausschließlich in der Haftfellkonsturuktion am Markt zu finden. Diese Haftfelle besitzen inzwischen ebenfalls Haken an beiden Enden und werden mit einer geringen Eigenspannung auf den Skibelag geklebt und bieten somit in jeder Situation ausreichend und zuverlässig Halt. Der Endhaken am Skiende ist in der Regel in das Fell eingenietet, während der Spannhaken für die Skispitze meist umgeschlagen und verklebt wird.
Mit dem Siegeszug der stark tailierten Carving-Ski bei den Tourenski mußten sich auch die Steigfelle dieser Skigeometrie anpassen. Besonders bei Queerungen auf harter Altschneedecke liegen teilweise lediglich noch die wesentlich breitere Skischaufel und das Skiende auf dem Schnee auf und dies sollte auch das Fell berücksichtigen. Während in der Vergangenheit ein Skitourenfell in der Regel lediglich ein variables Maß besessen hat, nämlich bei einer Einheitsbreite von 65mm die Länge, gibt es inzwischen für fast alle gängigen Skigeometrien passend zugeschnittene Haftfelle (Längen, Skibreite, Carving-Radius etc.) . Da die Felle aus einem speziell gewebten Material bestehen, war es in der Vergangenheit für die ersten Carving-Tourenski nicht möglich ein Fell einfach anzupassen und entsprechend zuzuschneiden. Dies würde dazu führen, dass sich das Gewebe auffädelt und sich auflöst. Es gab lediglich die Möglichkeit mit einem Seilschneider oder Lötkolben die Schnittkante zu verschließen, allerdings war dies nicht unbedingt dauerhaft. Inzwischen biedten mehrere Hersteller (z.B. Black Diamond, Colltex oder Tour-Sport) spezielle Zuschneidefelle an. Diese Felle werden einfach auf den Skibelag aufgeklebt und mit einem speziellen Zuschneidemesser entlang der Kante zugeschnitten und mit dem Endhaken verklebt und fertig ist das 100%ig passende Fell. --> Siehe Passform und Tipps zum Zuschneidefell

PASSFORM - Wählt man ein spezielles Haftfell für einen Tourenski, so bieten einige Fell-Hersteller im Internet einen automatischen Produktvorschlag für bestimmte Tourenski an, wie z.B. Tour-Sport. Man wählt einfach sein Skimodell aus und bekommt die passende Fellgeometrie genannt. Wenn der eigenen Tourenski nicht in der Auswahl vorhanden ist, muß ausgemesen werden. Man sollte darauf achten, daß die Felle lediglich den Skibelag bedecken und die Skikante komplett frei bleibt. Dies ist für den notwendigen Kantengriff unbedingt erforderlich.

ZUSCHNEIDEFELLE - Hersteller wie z.B. Black Diamond, Colltex oder Tour-Sport bieten spezielle Zuschneidefelle an. Diese Felle werden in Standardbreiten (meist 100mm, 110mm oder 120mm) mit Endhaken ausgeliefert. Sie werden dann einfach am Skiende eingehänkt und auf den Skibelag aufgeklebt und anschließend mit einem speziellen Zuschneidemesser entlang der Kante auf einer Seite zugeschnitten. Anschließend wird das Fell abgezogen und mit doppelter Kantenbreite versetzt neu aufgeklebt und die andere Seite wird zugeschnitten. Zum Schluß wird das Fell in der Länge noch abgeschnitten und der Endhaken eingeschlagen und verklebt und fertig. Wer das zum ersten mal macht, sollte darauf achten, daß er nicht zum Schluß in den eigenen Fellen eingewickelt und zum Paket verschnürt endet. Der Kleber der Felle klebt bei neuen Fellen hervorragend, vor allem an Tischdecken, Gardinen, Kleidungsstücken etc.

HANDHABUNG UND TRANSPORT - Wenn das Fell dann auf den Ski paßt kanns losgehen. Die Felle werden in der Regel mit einem entsprechenden Packsack geliefert und sollten in diesem auch transportiert werden. Jungfräulich sind die Felle auf eine spezielle Kunststofffolie geklebt. Früher, als die Felle noch eine Standardlänge besessen hatten, wurden sie oft zur Aufbewahrung in der Mitte gefaltet und die Kleberseite aufeinander "geklebt". Dies hatte den Vorteil, daß die Kleberseite geschützt war und nicht an Kleidung etc. festklebte und der Kleber konnte nicht austrocknen. Die Felle mußten lediglich mit viel Kraft wieder auseinandergezogen werden. Bei den neuen Fellen für die Carving-Ski ist dies nicht möglich, da die Fellenden in der Regel unterschiedlich breit sind. Es empfiehlt sich deshalb eine der Folien aufzubewahren und dei Felle zur Aufbewahrung und Transport beidseitig auf die Folie aufzukleben. Das Fell kann dann zusammengefaltet oder gerollt im Packsack transportiert werden. Wird das Fell auf den Ski gezogen, so verbleibt die Folie im Packsack im Rucksack. Der Fellkleber klebt je besser, je "weniger kalt" Fell und Skibelag sind. Wer also morgens um 6 auf Tour aufbricht, sollte die Felle nicht unbedingt mit den Tourenski über nacht im Auto liegen lassen. Ist es auf der Tour erforderlich, daß die Felle mehrmals auf- und wieder abgezogen werden müssen, so empfiehlt es sich die Felle im Packsack unter der Jacke zu transportieren. Dies Verhindert einerseits ein festfriehern der Felle und die Felle kleben wesentlich besser auf dem Skibelag. Dieser sollte nicht ständig gewachst werden, da die Felle sonst evtl. überhaupt nicht mehr kleben.

PFLEGE UND LAGERUNG - Nach einer Skitour sollen die Felle entwder zusammengefaltet werden oder sie werden wieder auf die Folie geklebt und sie sollten bei Zimmertemperatur trocknen. Die Felle sollten nicht auf einen Heizkörper gelegt sondern im warmen Heizkeller zum Trocknen aufgehängt werden, damit der Fellkleber nicht austrocknet oder so weich wird, daß er abtropft. Wenn der Fellkleber nicht mehr vollständig die Haftseite belegt, so kann er nachträglich zusätzlich aufgetragen werden. ABER VORSICHT: Das Aufbringen von Fellkleber ist nicht einfach und so manche Wohnzimmertischdecke oder Tepichboden mußte dabei schon dran glauben. Wenn ein Fell noch brauchbar ist (noch vollständig behaart), lediglich schlecht klebt, so kann es im guten Fachhandel problemlos mit neuem Fellkleber versenhen werden und sollte dann wieder mehrere Jahre halten. Dabei wird zuerst das Fell mit einer Spachtel und einem Heißluftföhn vom alten Kleber befreit und anschließend mit neuem Kleber versehen. Der Fachhandel bietet alle notwendigen Produkte für den Mutigen zum Selbsttest an.
Colltex FellwachsBleibt an den Fellen der Schnee hängen, so liegt das meist daran, daß die Felle nicht mehr imprägniert oder gewachst sind. Die Felle können mit Imprägnierspray behandelt werden oder man trägt ein spezielles Fell-Wachs auf, um die Felle zu imprägnieren. Nichts ist ärgerlicher als ein aufstollendes Steigfell und kann eine Skitour zur Tortour werden lassen, deshalb empfiehlt es sich mehrmals im Winter die Felle zu prüfen ob diese Wasser noch abperlen oder bereits imprägniert werden sollten.
Die Felle sollten am Besten im Packsack verschlossen in einem dunklen Raum gelagert werden. Somit bleibt der Fellkleber am besten erhalten.

Reparatur von Fellrissen
Repariertes SkitourenfellEigentlich herschte bisher die Meinung, das Fellrisse, wie sie beim übersteigen von Steinen, Felsen aber auch Wurzeln entstehen können, nicht reparabel sind. Auf lange Sicht gibt es auch lediglich die Lösung, wenn der Riss klein und am Rand ist, dass die Stelle rund aus dem Fell ausgeschnitten wird. Repariertes SkitourenfellWir haben einen kleinen Fellriss mit einem Abriebfesten Kunstfasergewebe beidseitig verklebt und vernäht. Diese Reparaturstelle hat nun bereits einige tausen Höhenmeter hinter sich und hält. Es muß sich aber zeigen, ob die Reparaturstelle nicht nach einigen Touren nachgebessert werden muß. Vor allem wenn die Firnsaison beginnt, wird ein erheblich größerer Abrieb an der Reparaturstelle zerren.


Bilder: Colltex.com und Tour-Sport.at

Herstellerlinks für weitere Informationen:
Black Diamond, Colltex, G3, Kohla Tirol, Pomoca, Salewa, Tour-Sport, Vaude,


Produkttests: und Produktinformationen
Skitourenfelle wurden in folgenden Veröffentlichungen getestet:

Produktinfos von Kohla als pdf-Datei
Tour-Sport - Ski-Selector für das passende Fell


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Erstellt 29.12.2004 (Redaktion E.H.)

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