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,,Einmaleins der Akklimatisation"
Entscheidend sind eine maßvolle Steigerung der Aufenthaltshöhe u. die nächtliche Schlafhöhe ( 5300 m):
- Immer so tief wie möglich schlafen!
- Nach Erreichen der Schwellenhöhe (2.500 m) mehrere Nächte auf dieser Höhe schlafen
- Kontinuierlicher Aufstieg: Schlafhöhenunterschiede 300 bis maximal 600 m/Tag
- Pro 1.000 Höhenmeter 2 Nächte auf derselben Höhe
- Tagesziele darüber maximal 1.500 m höher
- Am Ende einer Tagesetappe noch 200 m locker, ohne Gepäck höher und dann wieder absteigen
Entscheidend ist die Vermeidung von Anstrengung und die Achtung vor den Bedürfnissen des eigenen Körpers:
- Jede Anstrengung vermeiden: ,,Wer schneller geht als ein Ochse, der ist ein Ochse!"
- Leistungsgrad während der Akklimatisationsphase nicht über 5060%
- Bewusste Hyperventilation
- Vermehrte Flüssigkeitszufuhr
- Auf Frühzeichen der Akuten Höhenkrankheit achten (erhöhter morgendlicher Ruhepuls, geringe TagesUrinmenge, Periphäre Ödeme, Schlafstörungen)
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Expeditionsmedizin und Taktik beim Expeditionsbergsteigen: Wo die Luft dünn wird
von Luis Stitzinger (DAV Summit Club Bergführer)
(Dieser Artikel ist in in der Alpinwelt Ausgabe 4/2001 erschienen)
Hochgebirge kaum eine andere Landschaft vermag dieses einmalige Gefühl von Erhabenheit, Ursprünglichkeit und entrückter Einsamkeit in dieser Weise zu vermitteln. In den Alpen ist mit knapp über 4.800 m die Schallgrenze rasch erreicht. So zieht es viele Bergsteiger, die Höhenluft schnuppern wollen, in fernere Gefilde. Hier warten Gipfel der Fünf- und Sechstausender-Region mit technisch machbaren Routen auf, die mit den Verkehrsmitteln unserer Zeit schnell erreichbar sind. Expeditions-Aspiranten sollten allerdings vor Ihrem ersten Vorhaben einige ,,Goldene Regeln" beachten.
Höhenbergsteigen
Die Vorbereitung
Eine Expedition fängt nicht erst mit der Landung am Zielflughafen an. Vorher müssen zahlreiche bürokratische Hürden überklettert werden (Visum, Gipfelpermit, Buchungen, etc.). Damit sollte man rechtzeitig beginnen, d. h. bis zu einem Jahr im Voraus. Die Zusammenstellung eines passenden Teams nimmt erfahrungsgemäß ebenfalls einige Zeit in Anspruch. Droht alles schon an diesen Aspekten zu scheitern, lässt sich eine derartige Unternehmung auch über einen Spezialreiseveranstalter buchen. Auch die gesundheitlichen Vorbeugemaßnahmen dürfen nicht zu lange hinausgeschoben werden. Für viele Länder, in denen die hygienischen Bedingungen problematisch sind, werden Schutzimpfungen angeraten (Beratung bei Hausarzt oder Tropeninstitut), deren komplette Verabreichung mehrere Monate lang dauern kann. Last but not least benötigt auch die konditionelle Vorbereitung viel Zeit und Energie. Je eher man damit beginnt, desto besser.
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Hochlager in der Nordwand Tilicho Peak 7132m, Foto: Edwin Haas
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| Gipfelroute Normalweg Ama Dablam |
Klein anfangen
Nur wer bereits in den Alpen in der Drei- und Viertausender-Region ausreichend Erfahrung gesammelt hat, sollte sich an den Bergen der Welt versuchen. Erfahrung ist nicht durch die Lektüre einschlägiger Fachbücher zu ersetzen. Je höher es gehen soll, desto wichtiger ist es, die Verhältnisse am Berg und die eigene Verfassung präzise einschätzen zu können. Beim Höhenbergsteigen sind Bergsteiger zumeist auf sich selbst gestellt und müssen auch mit kritischen Situationen allein zurecht kommen. Ein guter Einstieg ins Expeditionsbergsteigen sind Berge, die sich in ein bis zwei Tagen Anreise oder -marsch von der Zivilisation erreichen lassen und maximal ein Hochlager erforderlich machen. Technisch einfacheren Routen ist zunächst der Vorzug zu geben. Solche ,,Hochtouren im Expeditionsstil" lassen sich mit wenig Schlepperei bewerkstelligen, die Gefährdung durch längere Höhenaufenthalte bleibt auf ein Minimum beschränkt. So lässt sich das notwendige Procedere des Expeditionsbergsteigens ohne Überforderung einüben und Erfahrungen sammeln.
Akklimatisation
| Literatur |
Hochholzer, Thomas: Trekking und Höhenbergsteigen
Ein medizinischer Ratgeber, von Dr.med. Thomas Hochholzer, Teilnehmer zahlreicher Expeditionen in Alaska, Indien, Tibet und Neuguinea. Er hat über Höhenphysiologie promoviert und arbeitet heute als Orthopäde an versch. sportmed. Kliniken.
Lochner-Verlag, Michael Lochner, 81543 München, ISBN 3928026119
Inhalt: Physiologie in der Höhe * Höhenstörungen * Vorbereitung * Mittlere Höhe und Trekking * Extreme Höhe und Expeditionen * Erkrankungen und Verletzungen * Ernährung * Training * Medikamente und ärztliche Betreuung * Checklisten |
Berghold F. und Schaffert W. Handbuch der Trekking und Expeditionsmedizin, Praxis der Höhenanpassung - Therapie der Höhenkrankheit
DAV Summit Club München, Am Perlacher Forst 186, 81545 München, 1999, 122 S. 21,0 x 15,0 cm. Kartoniert. 15.00 EUR
Für Ärzte und medizinisch Interessierte, Das Buch muss beim DAV SUMMIT CLUB direkt bestellt werden. Wer sich in den Himalaya begibt, sollte vorher unbedingt dieses Buch lesen. Den Autoren gelingt es, die Probleme, die in der für Europäer ungewohnten Höhe auftreten können, gut zu beschreiben und geben jede Menge Tipps, wie diese vermieden werden können, bzw. wie man sich verhält, wenn es dann wirklich zu Problemen kommt. |
Pollard J. und Murdoch Davod R. Praktische Höhenmedizin
Urban & Fischer, München
Leicht verständlich mit Tipps für die Praxis |
Wie helfe ich mir draußen. Touren- und Expeditionsratgeber von Volker Lapp, Broschiert - 296 Seiten - Pietsch Verlag, September 2000 |
Merry, Wayne: Erste Hilfe Extrem
397 S., Pietsch Vlg. Stuttgart, 1996, ISBN: 3613502526
Das aus Kanada stammende Orginal wurde von Mitarbeitern der Johaniter Unfallhilfe übersetzt und ist seither Standardlehrbuch für den Kurs "Erste Hilfe Extrem" der Johanniter-Unfallhilfe e.V. Stuttgart Diesen Kurs kann ich jedem empfehlen. |
E. Simons/O. Oelz, Kopfwehberge. Eine Geschichte der Höhenmedizin, Zürich 2001, AS Verlag |
Erste Hilfe Outdoor, von Peter Oster
Fit für den Outdoor-Notfall beim Wandern, Klettern, Paddeln, Trekken oder Biken
Begleitbuch zu den Kursen Outdoor Erste Hilfe der Outdoorschule Süd
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Weitere Fachliteratur
F. Zintl/A. Eisenhut: Ausdauertraining, München 2001, BLV Verlag
M. Grosser u.a., Das neue Konditionstraining, München 2000, BLV Verlag
G. u. L. Schmidt, 5000er. Trekking und Bergsteigen weltweit, München 1993, Rother Verlag
P. Sicouri, Forbidden Mountains. The Most Beautiful Mountains In Russia And Central Asia, 1994
B. O´Connor, The Trekking Peaks Of Nepal, 1991 P. Rotter,
Tanzania/ Kilimanjaro, München 2000, Rotter Eigenverlag
(Die meisten der genannten Titel sind in den Leihbüchereien der Sektionen München und Oberland erhältlich)
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E. Radehose, Traumberge Amerikas, München 1996, Rother Verlag (Neuauflage 11/01!)
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So wichtig es ist, seine Ziele nicht zu früh zu hoch zu stecken, so bedeutsam ist es auch, jedes Mal aufs Neue klein anzufangen. Ohne die notwendige Akklimatisation ist ein Unternehmen so schnell beendet, wie es begonnen hat. Viele Bergsteiger, die sich dem Ziel ihrer Begierde übereilt annähern, bekommen dieses nicht einmal zu sehen. Ist der Urlaub knapp bemessen, darf die Zeitplanung unter keinen Umständen auf Kosten der Akklimatisationsphase gestrafft werden. Gerade zu Beginn jedes Anpassungsprozesses an extreme Höhen reagiert der Organismus sehr sensibel auf jegliches ,,Zuviel". Je mehr Ruhe und Gelassenheit man seinem Körper in der Anfangsphase einer solchen Bergfahrt schenken kann, um so mehr wird er es einem in den entscheidenden Phasen am Berg später danken. Wer sich an einige einfache Spielregeln hält, wird sich hiermit deutlich leichter tun. (Siehe Kasten ,,Einmaleins der Akklimatisation")
Die richtige Ausrüstung
Wer das Gewicht des eigenen Rucksacks bei Hochtouren in den Alpen fürchtet, wird es beim Höhenbergsteigen hassen lernen. Nach dem Anmarsch, bei dem je nach Bergregion noch Esel, Lama oder Kamel als Transportmittel benutzt werden können, stehen nur in wenigen Ländern Hochträger zur Verfügung. Mehr und mehr gehört es auch ,,zum guten Stil", auf den Einsatz fremder Hilfe am Berg zu verzichten. Beim Zusammenstellen der Ausstattung sollte man dennoch nicht den Fehler begehen, auf essentielle Ausrüstungsteile zu Gunsten eines leichteren Rucksacks zu verzichten. Alles was auf Hochtouren in den Alpen dazugehört, ist auch hier mit dabei: Gore-Anorak und Überhose, Gamaschen (ggf. gefüttert), Funktionsbekleidung. Im Rucksack: ErsteHilfe-Set, Biwaksack, Wechselwäsche, ausreichend Proviant und zu trinken. Teleskopskistöcke und Gletscherausrüstung runden die persönliche Ausstattung ab, zusätzlich noch die leichte Daunenjacke (immer ein Stück Sicherheit, das nicht viel wiegt) und ein höhenmedizinisches Notfallset (von einem erfahrenem Mediziner beraten lassen). Besonderen Wert sollte auf die ,,Bekleidung" der Extremitäten (Füße, Hände) gelegt werden. Hier ist das Risiko, sich Erfrierungen zuzuziehen am höchsten. Neben dem passenden Schuhwerk (Zweischalenschuhe mit Thermoinnenschuh) gehören dazu auch warme Expeditions-fäustel. Durch das ,,T-Shirt-Wetter" windstiller Schönwettertage darf man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen lassen. Ein kurzer Schlechtwettereinbruch genügt und es herrscht eine andere Welt. l Die Lagerausrüstung beinhaltet ein sturmtaugliches, leichtes Expeditionszelt, einen vernünftigen Kocher (möglichst Benzin, doch sollte die Handhabung gut eingeübt sein), ausreichend Verpflegung (gefriergetrocknet, kohlenhydratreich) und Brennstoff. Eine gut isolierende Isomatte und ein Daunenschlafsack (mindestens 1000 g Daunenfüllung) garantieren gute Erholung vor der entscheidenden Gipfeletappe!
Der original Atrikel aus der Alpinwelt 4/2001 wurde uns vom Autor zur Verfügung gestellt und kann als pdf hier heruntergeladen werden:
Höhenbergsteigen - wo die Luft dünn wird
Luis Stitzinger
staatlich geprüfter Bergführer

DAV Summit Club,
Am Perlacher Forst 186,
81545 München,
Tel. 089/642400
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