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DAV Summit Club Expedition zum Gasherbrum II [8035m]

14. Juli – 28. August 2005


Billdergalerie DAV-Summit-Club Gasherbrum II von Thomas Lämmle


Expeditionsteam:

Kurt Burkhard (Römerberg – D)

Berthold Honka (Mainz – D)

Hans Hindel (Iggelheim – D)

Alexander Mayer (Wangen – D)

Dr. Klaus Eikemeier (Isernhagen – D)

Expeditionsleitung:

Thomas Lämmle (Waldburg – D)

Der Gasherbrum II ist der „kleinste“ unter den vierzehn Achttausendern der Erde und liegt im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China, dem Karakorum.

Ende Juli startet unsere Expedition in Islamabad bei tropisch heißen Temperaturen von über 40° Celsius. Mit Bus und Jeep geht es von der pakistanischen Hauptstadt zunächst 800 km in den Nordosten des Landes, dort wo die Grenzen zwischen Pakistan, China und Indien aufeinander treffen. Die Anreise erfolgt über zwei Tage auf dem berühmten Karakorum - Highway. In den 50er Jahren wurde der Bau des Karakorum - Highways international ausgeschrieben, doch ausnahmslos alle Industrienationen lehnten den Bau als völlig undurchführbar ab. Gebaut wurde die Strasse schließlich in 12 Jahren Bauzeit durch ein Mammutheer von 25.000 chinesischen und 15.000 pakistanischen Arbeitern. Auch heute noch sind 1.500 pakistanische Soldaten täglich damit beschäftigt die oftmals von Erdrutschen, Steinschlag und Lawinenabgängen blockierte Straße befahrbar zu halten. In Askole, am Fuße des riesigen Baltoro Gletschers, ist die Fahrt zu Ende. Diese Siedlung ist der Ausgangspunkt für alle Expeditionen zu den Achttausendern Gasherbrum I und II, Broad Peak und K2. Mit 113 Trägern und 2,5 Tonnen an Ausrüstung geht es auf den 120 km langen Marsch ins Basislager. Nach sechs Trekkingtagen erreichen wir den berühmten Concordiaplatz. Hier vereinigen sich drei Gletscherströme und der Blick auf den zweithöchsten Berg der Erde, den K2, wird frei. Über den Abruzzi Gletscher geht es in zwei weiteren Tagesmärschen zu unserem Basislager am Gasherbrum II. Das Lager befindet sich auf 5100 m auf einer Mittelmoräne direkt am Fuße des großen Gasherbrum Eisbruchs. Von den 18 angemeldeten Expeditionen mussten bereits 11 unverrichteter Dinge abreisen. Starker Schneefall behinderte die Expeditionen im Juni und Juli. Der späte Expeditionstermin im August scheint trotz vieler Einwände günstig zu sein.


Gasherbrum II Pakistan, Aufstiegsroute DAV-Summit-Club Expedition 2005, (c) Thomas Lämmle
Billdergalerie DAV-Summit-Club Gasherbrum II

25 Tage stehen unserer Expedition für die Besteigung des Gipfels zur Verfügung. Um die vier Hochlager aufzubauen, muss immer wieder der gefährliche, 8 km lange Gasherbrum Eisbruch durchquert werden. Eine Durchquerung ist am Sichersten in kalten Nächten möglich, da hier die Spaltenbrücken tragfähig sind und die Gefahr von Eisschlag am geringsten ist. So stehen wir zu unseren Touren meist um Mitternacht auf und sind dann am frühen Morgen in den Hochlagern. Während nachts die Temperaturen bis weit unter den Gefrierpunkt sinken, ist es tagsüber teilweise erbärmlich heiß. In den Zelten messen wir Temperaturen von minus 20° Celsius bis plus 35° Celsius. Anfang August sind wir die letzte und einzige Expedition am Berg. Eine italienische Expedition, die mit uns das Basislager teilt, hat ihre Gipfelambitionen auf Grund des unbeständigen Wetters aufgegeben. Wir kommen dennoch recht zügig mit dem Lageraufbau voran, obwohl das Gelände ungemein steil ist – nicht vergleichbar mit den Bergen im Himalaya . Es müssen etwa zwei Kilometer Fixseil verlegt werden um den G2 sicher besteigen zu können. Der tägliche Schneefall wirkt zwar ermüdend auf Laune und Gemüt, dennoch ist die Schneemenge nicht so groß, dass Schneelawinen den Aufstieg gefährden könnten.

Am 07. August gelingt es mir zusammen mit einem pakistanischen Hochträger ein Zelt in Lager 3 auf knapp 7000m aufzustellen. Damit wird der Weg frei für den Gipfelaufstieg. Der Wetterbericht der Wetterdienststelle Innsbruck, der speziell für die Expedition erstellt wurde und via Satellit ins Basislager übermittelt wird, verheißt gutes, allerdings windiges Wetter für zwei Tage (14. und 15. August). Nach einigen Ruhetagen im Basislager starten wir (Th. Lämmle, A. Meyer, B. Honka und H. Hindel) in der Nacht vom 11. August den Gipfelgang. Den Aufstieg durch den Eisbruch zum Lager 1 müssen wir im Schneetreiben hinter uns bringen. Auch am nächsten Tag steigen wir bei Schneefall über eine Steilflanke und einen ausgesetzten Grat (Banana-Ridge) zum Lager 2 auf (Routenverlauf siehe Abbildung). Wiederum im Schneetreiben erfolgt der steile Aufstieg ins Lager 3. Am Abend jedoch klart es auf. Der nächste Tag bringt uns ins Lager 4 auf 7400m. Mit schwerem Gepäck steigen wir über einen versicherten Felsrücken in unser höchstes Lager auf. Hochlagerzelt, Kocher, Verpflegung, 300m Fixseile und persönliche Ausrüstung müssen auf 7400m getragen werden.

Nach dem Aufbau des Hochlagerzeltes beginnen wir sofort mit dem Wasser schmelzen um der gefährlichen Austrocknung vorzubeugen. Um sechs Uhr abends hat jeder Teilnehmer die erforderlichen drei Liter an Flüssigkeit zu sich genommen. Zu viert versuchen wir die Nacht in einem Zweimannzelt zu verbringen. An Schlaf ist wenig zu denken, da bereits um zwei Uhr die letzte Etappe zum Gipfel angegangen wird. Der Wetterbericht hält was er verspricht : Bei sternenklarer, eiskalter Nacht treten wir um zwei Uhr in unserer Daunenbekleidung vor das Zelt. Der Aufstieg beginnt mit einer langen Querung unter der Gipfelpyramide. In steilem Gletschergelände, bei knietiefem Schnee spure ich sechs Stunden bis zu einem Couloir, das uns auf die chinesische Seite des Berges führt. Beim Ausstieg aus dem Couloir werden wir voll vom Wind erwischt. Der nun folgende ca. 45° steile Gipfelhang erfordert nochmals eine gehörige Kraftanstrengung, da Neuschnee und Wind gegen uns arbeiten. Nach weiteren fünf Stunden Aufstieg ist der extrem ausgesetzte Gipfelgrat erreicht. Im Reitsitz – ein Bein in Pakistan und ein Bein in China – erreichen wir bei Sturm um 13:00 Uhr den Gipfel. Um keine Erfrierungen zu erleiden, beginnen wir sofort wieder mit dem Abstieg. Erst am Abend um 18:00 Uhr wird das Hochlager 4 wieder erreicht, was uns nochmals eine Nacht in extremer Höhe beschert. Nachts schlägt das Wetter um, sodass der weitere Abstieg ins Basislager bei Schneefall durchführt werden muss. Nur mit Hilfe eines GPS – Gerätes (Satellitennavigation) finden wir den Weg durch den Gletscherbruch zurück ins Basislager. Hier ist die Freude groß als wir am Abend des 17. August nach erfolgreicher Gipfelbesteigung wieder gesund und ohne Erfrierungen eintreffen.

Expeditionsleiter Thomas Lämmle [Sportwissenschaftler SP Bergsport]


Die Expedition wurde unterstützt von

THE NORTH FACE

ORTOVOX

OUTDOOR UNLIMITED


Bilder: © Thomas Lämmle

Auch 2006 wird diese spannende Route wieder beim DAV Summit Club angeboten:

Expeditionen 2006 des DAV Summit Club

Quelle:
© Thomas Lämmle & Luis Stitzinger, DAV Summit Club


07.12.2005 (Redaktion Edwin Haas)

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